
Der stürmende Verteidiger
1.11.2022, 11:00
Not macht erfinderisch: Weil beim HCD seit geraumer Zeit bis zu fünf Stammstürmer fehlen, hat die Trainercrew Davyd Barandun vom Verteidiger zum Angreifer umfunktioniert. Aber auch er konnte am „Zürcher Wochenende“ die Pleiten gegen Titelfavorit ZSC Lions (0:5) und Aufsteiger Kloten (2:5) nicht verhindern.
Davyd Barandun spielt in der Regel in der Abwehr auf der linken Seite. Auf dieser Position hat der in der Ukraine geborene 22-Jährige mit den Schweizer Junioren-Nationalmannschaften U18- und an U20-Weltmeisterschaften bestritten für den HCD die meisten seiner mittlerweile 188 National-League-Partien. Bei Davos herrscht allerdings zurzeit akuter Personalmangel im Angriff. Mit Leon Bristedt, Dennis Rasmussen, Chris Egli, Yannick Frehner und David Nussbauer fehlten während mehr als einer Woche fünf verletzte Stammstürmer gleichzeitig. Das hatte zur Folge, dass Verteidiger Barandun vorübergehend in eine Stürmerrolle nach vorne versetzt wurde und mit Gian-Marco Hammerer, Jannik Canova sowie Nino Russo drei junge, noch völlig unerfahrene Spieler die vierte Davoser Angriffslinie bildeten.
An der Seite von Joakim Nordström
Barandun spielte als linker Flügel mehrere Partien an der Seite von Joakim Nordström und Julian Schmutz in der ersten HCD-Linie. „Es ist speziell für mich“, sagt der 1,81 Meter grosse und 91 Kilogramm schwere junge Eishockeyprofi. „Ich versuche der Mannschaft zu helfen, so gut es geht. Aufgrund unserer langen Verletztenliste muss ich diese Rolle spielen. So lange diese Massnahme dem Team hilft, ist es gut. Bereits letzte Saison hatte ich einige Einsätze als Stürmer. Von diesen Erfahrungen profitiere ich jetzt. Ich weiss, was ich als Stürmer tun muss.“ Barandun vergleicht: „Als Verteidiger siehst du das Spiel von hinten, wenn die eigene Mannschaft angreift. Als Stürmer steckst du hingegen mitten drin; das ist eine grosse Umstellung.“ Baranduns Linie führte mit Nordström als Center ein Weltklassestürmer an. Er gewann 2014 mit den Chicago Blackhawks den Stanley Cup, wurde 2017 mit Schweden Weltmeister und stürmte letzte Saison im Team von ZSKA Moskau, das KHL-Champion wurde. „Neben einem derart guten Akteur wie Nordström zu spielen, erleichtert meine Aufgabe wesentlich“, bemerkt Barandun. „Er hilft mir und spricht während den Spielen und im Training oft mir. So weiss ich, was ich genau machen muss.“
Missglücktes Zürcher Wochenende
Im Heimspiel gegen die ZSC Lions verpasste Baranduns Linienkollege Schmutz nach nur 20 Sekunden den Führungstreffer. Enzo Corvi fehlte ein paar Minuten später bei einem genialen Sololauf der krönende Abschluss. So lautete das Zwischenresultat nach dem ersten Drittel 2:0 für die Gäste statt eines durchaus möglichen 2:2. Die in Bestbesetzung angetretenen Zürcher, die als Meisterschaftsfavorit gelten, spielten mit viel Tempo und auffallend präzis. Sie kombinierten häufig wie aus einem Guss und setzten sich schliesslich mit 5:0 durch. „Wir kreierten auch verschiedene gute Situationen, hatten leider im Abschluss etwas Pech“, stellte Barandun nach dem Match fest.
In der Partie vom Sonntagnachmittag in Kloten wurde Barandun in der vierten Davoser Linie eingesetzt, weil Nussbaumer sein Comeback gab. Die Bündner kamen dennoch auch gegen den Aufsteiger nicht auf Touren. Sie unterlagen den „Fliegern“ mit 2:5. Die Vorentscheidung fiel im Mitteldrittel, als die Zürcher nach dummen Strafen der Gäste auf 1:3 davonzogen. Die Davoser offenbarten an diesem Wochenende eklatante Abschlussschwächen. Gegen die ZSC Lions machten sie aus 30 Torschüssen keinen Treffer, in Kloten aus 21 Schüssen nur zwei. Aber auch die Defensive offenbarte zu viele individuelle Fehler und Missverständnisse; zu oft fehlte hinten die erforderliche Ordnung.
Am Dienstag in Zug
Klar ist für Barandun, dass er wieder in der HCD-Verteidigung auflaufen möchte, so bald der Davoser Trainerstaff auf genügend gelernte Stürmer zählen kann. „Das ist meine Position. So lange wir so wenig Leute zur Verfügung haben, versuche aber dem Team, wie schon gesagt, vorne zu helfen.“ Das wird heute Abend im Auswärtsspiel gegen den amtierenden Schweizer Meister EV Zug erneut der Fall sein.
Quelle: Hansruedi Camenisch / Davoser Zeitung Foto: Maurice Parrée