Der Zusammenhalt ist sehr wichtig, nicht nur auf dem Eis

4.11.2022, 11:00

Die lange Verletztenliste beim HCD bietet jungen Spielern die Chance auf mehr Eiszeit und das Sammeln von wertvollen Erfahrungen in der National League. Der 21-jährige Jannik Canova führt zurzeit die vierte Davoser Linie als Mittelstürmer an, teils mit noch jüngeren Teamgefährten an seiner Seite.

Seit beim HCD die beiden Center Dennis Rasmussen und Chris Egli verletzt sind, stürmt in der vierten Linie regelmässig Jannik Canova als Center. „Eine coole Aufgabe“, sagt er. „Ich muss und will mich in jedem Match beweisen. Nun erhalte ich mehr Verantwortung und mehr Eiszeit. Das bringt mir viel. So kann ich einen echten Entwicklungsschritt in kurzer Zeit machen.“ Weil beim HCD gleichzeitig gar vier oder mehr Stammstürmer ausfielen beziehungsweise noch immer fehlen, spielen an Canovas Seite teilweise noch jüngere Akteure, als es Canova mit seinen erst 21 Jahren selber ist. „Wir geben unser Bestes, meistens kommt es gut“, meint er zu dieser speziellen Situation.
Canova wuchs in Chur auf. Mit 14 wechselte er wegen des Eishockeys nach Davos, weil sich für ihn sein Lieblingssport und die berufliche Ausbildung ideal verbinden liessen. „Das ist die beste Lösung“, sagt er rückblickend. Im Sportgymnasium absolvierte er die Handelsmittelschule, die er mit dem Diplom erfolgreich abschloss. Und im Eishockey befindet er sich inzwischen auf einem guten Weg in die HCD-Stammformation. Zu Chur hat Canova noch immer regen Kontakt. Dort wohnen seine Eltern und frühere Mitspieler aus jungen Juniorenzeiten. Auch das Trainerduo beim EHC Chur kennt er persönlich. Unter Reto von Arx spielte Canova im U17-Nationalteam, Jan von Arx war sein Trainer im Davoser U17-Nachwuchs.

„Eishockey ist geil und schnell“
Seit seinem Schulabschluss verwirklicht Canova seinen Traum als Eishockeyprofi. „Eishockey ist geil und schnell – ja so schnelllebig!“, sagt der Stürmer. „Mir gefällt es auch sehr, weil es ein Teamsport ist. Es kommt nicht nur darauf an, was man als einzelner macht, sondern was man gemeinsam bewirkt. Der Zusammenhalt in der Mannschaft ist sehr wichtig, nicht nur auf dem Eis.“ Den HCD bezeichnet Canova „fast als meine zweite Familie.“ Er fühlt sich im Fanionteam bestens integriert.
Sein Debüt in der ersten Mannschaft gab Canova als 18-Jähriger am 26. November 2019 im Cup-Viertelfinal gegen Bern, den der HCD in der Verlängerung mit 4:3 gewann. Eine Woche später bestritt er sein erstes National-League-Spiel beim 5:2-Heimsieg gegen die SCL Tigers. Häufig pendelte Canova danach zwischen dem HCD und dessen Partnerteam, den Ticino Rocket in der Swiss League, hin und her. Canova bezeichnet dies als „gute Lösung. Bei den Rockets erhältst du viel Spielgelegenheit. Es ist allerdings kein Freibillett, man muss sich auch dort beweisen. Aber als junger Spieler kannst du Powerplay und Boxplay und auch gegen Schluss einer Partie spielen, wenn das Resultat noch eng ist. Das ist cool und bringt wichtige Erfahrungen für den Schritt in die National League.“

Wegen Foul in den Schlagzeilen
Letzte Saison geriet Canova in die nationalen Sportschlagzeilen, als er im dritten Playoff-Viertelfinalspiel gegen die Rapperswil-Jona Lakers im Schlussdrittel in seinem ersten Shift in jener Partie in Gian-Marco Wetter krachte, worauf der Gegner verletzt ausschied. Von verschiedener Seite wurde Canova darauf Absicht unterstellt. „Ganz bestimmt nicht!“, wehrt sich der Davoser. „Ich stieg übermotiviert in diesen Zweikampf, wollte aber Gian-Marco natürlich nicht verletzen. Es tat mir wirklich leid. Nach dem Match habe ich mich sofort bei ihm entschuldigt. Wir kennen uns aus gemeinsamen Juniorenzeiten beim HCD ja bestens.“

Grosse Aufholjagd mit einem Punkt belohnt
Am Dienstagabend erlebte Canova mit dem HCD einen verrückten Match in Zug. Bis zur 55. Minute lagen die Davoser gegen den Schweizer Meister mit 1:3 zurück. Dann schloss Dominik Egli in Unterzahl (!) einen lehrbuchmässigen Konter nach Vorarbeit von Julian Schmutz mit dem Anschlusstreffer ab. Und 34,9 Sekunden vor Ablauf des dritten Drittels drückte Joakim Nordström den Puck zum vom ganzen Team umjubelten Ausgleich ins Tor. So sicherte der Schwede den Bündnern in extremis noch einen Punkt. Den zweiten verpassten sie in der Verlängerung. Da traf Gregory Hofmann im Powerplay zum 4:3-Sieg für Zug.

Vor der Nationalmannschaftspause von nächster Woche bestreitet der HCD noch zwei Meisterschaftsspiele: Heute Abend um 19.45 Uhr zuhause gegen die SCL Tigers, 24 Stunden später in Pruntrut gegen den HC Ajoie. „Zwei wichtige Spiele“, sagt Canova. „Wir brauchen die Punkte nicht nur für die Tabelle, sondern auch, damit wir mit einem guten Gefühl in die Pause gehen können. Ich bin zuversichtlich, dass es gut kommt.“

Text: Hansruedi Camenisch / Davoser Zeitung   Foto: Maurice Parrée