Dezimierter HCD sorgt für kleine Sensation

23.10.2022, 22:30

Der HC Davos hat am Sonntagabend in Genf auf verrückte Art gewonnen. Ohne sieben Stammspieler besiegte er Tabellenführer Servette mit 5:4. Den entscheidenden Treffer erzielte Andres Ambühl nach 101 Sekunden in der Verlängerung. Nach 26 Spielminuten hatten die Bündner noch 1:4 zurückgelegen.

Die Verletzungshexe schlägt in jüngster Zeit beim HCD gnadenlos zu. Beim 5:4-Sieg nach Penaltyschiessen in Lausanne schieden Chris Egli und Valentin Nussbaumer während der Partie aus, nachdem beide ein Tor erzielt hatten. Sie gesellten sich auf der Davoser Verletztenliste zu Michael Fora, Dennis Rasmussen, Leon Bristedt, Yannick Frehner und Gilles Senn, die allesamt die Reise in die Westschweiz gar nicht erst angetreten hatten. Somit fehlten dem HCD am Sonntagabend in Genf gegen Servette nicht weniger als sieben Stammspieler. Wegen dem aktuellen Stürmer-Notstand setzte der Davoser Coachingstaff gegen Servette mit Davyd Barandun und Tim Minder zwei gelernte Verteidiger im Sturm ein. Barandun bildete mit Joakim Nordstörm und Julian Schmutz gleich die erste Angriffslinie. In der vierten stürmten mit Minder, Jannik Canova und Gian-Marco Hammerer drei Youngster.

Die Davoser begannen die Partie keck. Bei der besten Torchance in der Anfangsphase scheiterte Simon Knak allein vor Servette-Keeper Robert Mayer (4.). Kaltblütigkeit demonstrierte hingegen Genfs Topskorer Valtteri Filppula. Der Finne, Mitglied des Triple Gold Clubs (Weltmeister, Olympiasieger und Stanley Cup Sieger). Erst lenkte er einen Schuss von Marco Miranda zum Führungstreffer ins Netz ab (5.). Und dann nutzte er einen Abpraller von der Bande zum 2:0 (16.). Servettes Ausländer sind einer der Hauptgründe, dass die Genfer die NL-Tabelle anführen. Ihre Klasse demonstrierten sie im Powerplay beim 3:0, das Linus Omark nach Vorarbeit von Filppula und Henrik Tömmernes erzielte (19.). 1,5 Sekunden vor der ersten Pause belohnte Schmutz den Davoser Einsatz und Kampfgeist mit dem 1:3. Die Assistpunkte liessen sich Nordström und Barandun notieren.

Die Überlegenheit der Genfer hielt auch im Mittelabschnitt an. Es brauchte jedoch einen unglücklichen Ablenker von Enzo Corvi zum vierten Treffer der Platzherren. Das Tor wurde dem Weitschützen Tömmernes gutgeschrieben. Schlimmeres verhinderte danach HCD-Goalie mit mehreren Glanzparaden. Gegen Drittelsende zeigten die Davoser, dass sie trotz der zahlreichen namhaften Absenzen Powerplay spielen können. Erst scheiterten Nordström und Andres Ambühl noch an Mayer. 39,1 Sekunden vor der zweiten Pause brachte Marc Wieser den Puck nach Vorarbeit von Knak dann aber am Genfer Schlussmann vorbei zum 2:4 ins Tor.

Als Matej Stransky nach 73 Sekunden im dritten Drittel auf 3:4 verkürzte, keimten bei den Davosern nicht mehr für möglich gehaltene Hoffnungen auf. Und die Spielanlage veränderte sich: Die Genfer wagten sich nicht mehr so unbekümmert in die Offensive. Der HCD seinerseits verhielt sich in der Defensive aufmerksam und clever, und er stürmte nicht kopflos nach vorne. Das zahlte sich aus. Nach 56:40 Spielminuten verwertete Raphael Prassl einen Pass von Ambühl zum für das Davoser Rumpfteam sensationellen Ausgleich. Und es kam noch verrückter. Ambühl schoss mit einem beherzten Sololauf nach 101 Sekunden in der Verlängerung die Bündner zum 5:4-Sieg gegen den Tabellenführer!

Der HCD kehrte erst am Montag lange nach Mitternacht von seiner Tour de Romandie nach Hause zurück. Er erhält keine Möglichkeit zur Regeneration und Wundenpflege. Bereits am Dienstagabend steht um 19.45 Uhr das Heimspiel gegen Ambri-Piotta an. Die Tessiner konnten sie seit Samstagabend ausruhen und auf diesen Match vorbereiten. Wer bei Davos allenfalls aus der langen Verletztenliste ein Comeback geben kann, muss sich kurzfristig weisen.

Quelle: HCD-Onlineredaktion  Foto: Keystone