
Ich bin stolz auf die Jungs
15.11.2022, 10:45
Der Schwede Joakim Nordström hat in seiner erfolgreichen Eishockeykarriere schon viel erlebt. Neu ist für ihn die Champions Hockey League. Jetzt freut sich der HCD-Stürmer aufs Achtelfinal-Heimspiel gegen den finnischen Meister Tappara Tampere vom Dienstagabend.
Blickt man aufs Palmarès, ist Joakim Nordström der prominenteste der sechs HCD-Ausländer. Der Schwede ist Weltmeister (2017), Stanley-Cup-Sieger (2015 mit den Chicago Blackhawks) und KHL-Champion (2022 mit ZSKA Moskau). Beim HCD fällt der 30-Jährige mit seiner Vielseitigkeit aus. Nordström ist ein klassischer Zweiwegstürmer, läuferisch stark und technisch gut beschlagen. Er liest das Spiel sehr gut, verhält sich mit und ohne Puck clever, kann als Center oder am Flügel eingesetzt werden, und er spielt auch sowohl in Powerplay- wie Penalykilling-Phasen. Nordström schuftet in der Defensive. Er gräbt an der Bande den Puck aus und lanciert seine Mitspieler mit präzisen Pässen. Im letzten Match gegen Ajoie (5:3) verblüffte er mit einem unwiderstehlichen Solo zum 3:3. In der Skorerliste steht er beim HCD mit fünf Treffern und sieben Assists zu Buche. Mit seinen Allrounder-Qualitäten macht Nordström macht jede Sturmline besser!
„Ich bin stolz auf die Jungs“
Nordström hat seine Entscheidung, nach Davos zu kommen, noch keine Sekunde bereut. „Ich habe in den ersten Monaten sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt er. „Von meinem neuen Team wurde ich herzlich aufgenommen. Und die Leute im Ort sind freundlich. Ja, es war ein leichter Wechsel für mich, sowohl auf als auch ausserhalb des Eises.“ Beim Rückblick auf seine beiden ersten Meisterschaftsmonate beim HCD meint der Schwede: „Wir hatten zum Teil gute, dann aber auch harte Phasen. Als zu Saisonbeginn das komplette Team gesund war, spielten wir wirklich gut. Nachher wurden wir durch die vielen verletzungsbedingten Ausfälle dezimiert. Ohne dieses Pech hätten wir mehr Siege und Punkte auf unserem Konto. Aber unser Team hat dennoch in vielen Partien einen wirklich guten Charakter, viel Moral und einen grossen Kampfgeist gezeigt. Ich bin wirklich stolz auf die Jungs. Nun hoffe ich, dass die meisten der Verletzten nach der Nati-Pause zurückkehren.“ Über die vielen, wegen der langen Absenzenliste nötigen, Umstellungen in der Aufstellung und in den Sturmreihen mag sich Nordström nicht beklagen. „Wir haben wirklich gute und smarte Spieler in unserem Team. Jeder hat stets sein Bestes gegeben.“
Bezüglich Niveau in der National League spricht der weit gereiste und erfahrene Nordström von „wirklich hoher europäischer Klasse. Das Schweizer Eishockey ist schnell, die Offensive wird forciert. Ich liebe das. So macht es mehr Spass als im strukturierteren Spiel in der KHL, wo die Kontrolle in der neutralen Zone oberste Priorität hat und man auf Fehler des Gegners hoffen muss.“ Aufgefallen ist Nordström auch, dass in der National League jedes Team jeden Gegner schlagen kann. „Jeder Match bildet deshalb eine Herausforderung“, bemerkt er.
„Jetzt wird es noch härter“
Nordström hat schon in allen grossen Ligen der Eishockeywelt gespielt. Neuland betritt er in dieser Saison mit dem HCD in der Champions Hockey League. „Es macht Spass, sich mit Spitzenteams aus verschiedenen Ligen zu messen, auf die wir sonst nicht treffen“, stellt er nach der Gruppenphase fest. Vorteile ortet er selbst in den Auswärtspartien mit den teilweise langen Reisen. „Diese fördern den Teamgeist, denn da sind wir tagelang zusammen“, sagt der Skandinavier. Sportlich sei die Champions League ohnehin ein interessanter, guter Wettbewerb. „In den Gruppenspielen haben wir uns für die K.-o-Phase qualifiziert. Jetzt wird es im Cupsystem noch härter“, meint Nordström mit Blick auf den nächsten Gegner. „Die finnische Liga ist generell stark, und Tappara Tampere zählt dort zu den Dominatoren.“
Tappara Tampere mit Starbesetzung
In der Tat erhält der HCD jetzt im Achtelfinal einen ganz grossen Brocken vorgesetzt. Tappara Tampere gewann letzte Saison die Landesmeisterschaft und scheiterte in der Champions League erst im Final knapp mit 1:2 an Rögle, dem damaligen Team des jetzigen HCD-Stürmers Leon Bristedt. Nicht weniger als fünf (!) Spieler wechselten im Sommer von Tappara Tampere in die NHL; das spricht für die hervorragende Nachwuchsförderung des Klubs. Tappara ist trotz den Abgängen nach wie vor prominent besetzt: Captain Jori Lehterä (34) wirft die Erfahrung von 346 Partien in die Waagschale. 2014 gewann er Olympia-Bronze. Niko Ojamäki (27) und Valtteri Kemiläinen (30) feierten im Februar Finnlands ersten Olympiasieg in der Eishockey-Geschichte. Und Mikael Seppälä (28) triumphierte drei Monate später als Weltmeister. 2019 standen Kristian Kuusela (39), Veli-Matti Savialainen (36) sowie Ojamäki in der finnischen Weltmeistertruppe. Nicht von ungefähr äussert sich Nordström über Tappara Tampere mit Respekt, aber dennoch ohne Angst. Er freut sich schon auf das Rückspiel nächste Woche: „Allein schon das neue Eishockeystadion in Tampere ist grossartig; ich durfte das im letzten Frühling erleben, als ich dort mit Schweden an der WM spielte.“
Text: Hansruedi Camenisch/Davoser Zeitung Foto: Maurice Parrée