Michael Foras Blick in den Spiegel

20.9.2022, 11:00

Dem HCD ist am Wochenende der Meisterschaftsauftakt mit zwei späten Niederlagen nach Penaltyschiessen gegen Servette (2:3) und Lausanne (3:4) missglückt. Positiv fiel in beiden Partien der neue Verteidiger Michael Fora auf. Am Dienstagabend spielt er mit dem HCD erstmals in seinem Leben gegen seinen Stammklub Ambri-Piotta.

„Jeden Abend schaue ich in den Spiegel und frage mich: Was habe ich heute gemacht?“, verriet der neue HCD-Verteidiger Michael Fora im HCD-Saisonmagazin "Im Slot". Am späten Freitag- und Samstagabend musste der Tessiner jeweils eine gemischte Bilanz ziehen. Persönlich startete der 27-Jährige ausgezeichnet in seine erste Meisterschaft mit Davos. Beim Auftakt in Genf gegen Servette spielte der 1,92 Meter grosse und 98 Kilogramm schwere Abwehrrecke den Pass zum 2:2 auf den Torschützen Simon Knak. Und in der Heimpartie gegen Lausanne liess er sich schon nach 42 Sekunden einen Assistpunkt beim Zuspiel auf Dennis Rasmussen notieren.
Bei Fora stimmt allerdings nicht nur die offensive, sondern auch die defensive Ausbeute. Er bildet mit dem Schweden Klas Dahlbäck ein Abwehrpaar. Das Duo stand in der jungen Meisterschaft noch bei keinem Gegentreffer auf dem Eis. Beide weisen eine +3-Bilanz auf. Dahlbäck traf gegen Lausanne mit einem platzierten Weitschuss aus dem Handgelenk zum 3:2. „Wir verstehen uns sehr gut, weil wir ehrlich zueinander sind“, bemerkt Fora. „Wenn wir einen Fehler begehen, sprechen wir sofort darüber und versuchen gemeinsam, eine Lösung zu finden.“

Zwei Penalty-Niederlagen
Weniger gut als die Bilanz des Duos Fora/Dahlbäck sieht nach dem ersten Meisterschafts-Wochenende die Ausbeute des HCD aus. Gleich beide Partien gegen Servette und Lausanne wurden erst im Penaltyschiessen entschieden, und zwei Mal mussten die Davoser das Eis als Verlierer verlassen. In insgesamt zehn Versuchen waren sie nur ein einziges Mal erfolgreich. Nur Leon Bristedt bezwang Lausannes Keeper Ivars Punnenovs. Gegen Servette hatten die Bündner im Mitteldrittel immerhin einen 0:2-Rückstand dank Toren von Bristedt  und Knak wettgemacht. Ganz anders im Heimspiel gegen Lausanne. Da führte der HCD schon nach 314 Spielsekunden und Toren von Rasmussen und Matej Stransky mit 2:0. Doch dann passte beim HCD bis ins dritte Drittel hinein gar nichts mehr zusammen.
„Wir starteten gut in die Partie, doch nach zehn Minuten wurden wir schlecht. Und im Mittelabschnitt spielten wir ganz schlecht. Da folgten wir nicht mehr unserem Spielplan. Deshalb konnte der Gegner die Initiative übernehmen und uns dominieren“, analysiert Fora die Partie. „Im dritten Drittel fingen wir uns auf. Nach der 3:2-Führung verpassten wir mehrere Torchancen, um den Match zu entscheiden. Aber insgesamt war unsere Leistung nicht gut genug.“ Eine Erklärung für den zwischenzeitlichen krassen Leistungsabfall fand der Verteidiger nicht, dafür einen Lösungsansatz für die künftigen Spiele: „Wir müssen einfacher spielen, die Scheibe tief bringen und wesentlich konstanter werden, indem wir unser Spielsystem durchziehen.“

Einen Traum erfüllt
Fora verliess im Frühling seinem Stammklub Ambri-Piotta in Richung Davos. Er sagt, er habe sich damit einen Traum erfüllt und unterschrieb gleich für vier Jahre beim HCD, obwohl im lukrativere Angebote anderer National-League-Klubs vorlagen. „Geld figuriert für mich nicht an erster Stelle. Viel wichtiger ist, wie ich mich als Mensch fühle und im Verbund mit den anderen Spielern. Spüre ich eine gute Energie in dieser Truppe oder nicht? Ich bin überzeugt, dass der HCD die richtige Mannschaft für mich ist. Wohl fühle ich mich in Davos auch ausserhalb des Eisstadions, hier inmitten der Berge.“

Erstmals im Leben gegen Ambri-Piotta
Nach Abschluss des Gymnasiums mit der Wirtschaftsmatura hatte Fora in der Saison 2014/15 auf Einladung der Kamloops Blazers in der kanadischen Juniorenliga Western Hockey League (WHL) Erfahrungen gesammelt. Sonst lancierte und absolvierte der Tessiner, der in Giubiasco aufwuchs, seine ganze bisherige Karriere beim HC Ambri-Piotta. Dort habe er viele persönliche Ziele erreicht, bemerkt Fora. Zuletzt amtierte er beim Dorfklub aus der Leventina als Captain. „Nun hatte ich aber das Gefühl, es wäre endlich an der Zeit, eine neue Herausforderung für mich als Mensch und als Eishockeyprofi anzunehmen“, begründet der Verteidiger seinen Wechsel. Am Dienstagabend spielt er erstmals in seinem Leben gegen Ambri-Piotta. „Das wird natürlich etwas komisch für mich“, meint Fora. „Ich erwarte ein spannendes, aber auch schwieriges Spiel. Denn Ambri hat seine beiden ersten Meisterschaftsspiele auswärts gegen Fribourg-Gottéron mit 2:1 nach Verlängerung und zuhause gegen Bern mit 5:1 gewonnen. Nur wenn wir es schaffen, unsere beste Leistung abzurufen und konstant sehr intensiv spielen, haben wir eine Chance zu gewinnen.“

Quelle: Hansruedi Camenisch/ Davoser Zeitung  Bild: Maurice Parrée