
Tim Minder nutzt seine Chance
17.11.2022, 07:48
Tim Minder ist die bisherige Saisonentdeckung beim HC Davos. Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Finnlands Meister Tappara Tampere erlebte der 20-jährige Verteidiger am Dienstagabend die temporeichste Partie in seiner noch jungen Karriere.
Im Eishockey geht es manchmal sehr schnell – nicht nur auf dem Eis. Eigentlich hatte der HCD für Tim Minder und Gian-Marco Hammerer ein Lehr- und Ausbildungsjahr beim HC Thurgau geplant. In der Swiss League, der zweithöchsten Schweizer Spielklasse, hätten die beiden Jungen viel Eiszeit erhalten und wertvolle Erfahrungen sammeln sollen. Die Vorstellungen der beiden Klubs stimmten jedoch nicht überein. Deshalb kehrten Minder und Hammerer schon vor dem Meisterschaftsstart nach Davos zurück.
„Die Mitspieler machten es mir einfach“
Die vielen verletzungsbedingten Ausfälle beim HCD führten dann dazu, das vor allem Minder früher und viel öfter als erwartet in der ersten Mannschaft zum Einsatz kam. Der Verteidiger mit idealen Massen – 1,85 m gross und 86 Kilo schwer – nutzte seine Chance. Er setzt seinen Körper wirkungsvoll ein, zeigt ein gutes Positionsspiel und zeichnet sich mit zuverlässigem, cleveren Verhalten aus. Mittlerweile hat Minder, der vor einem knappen Monat seinen 20. Geburtstag feierte, in dieser Saison bereits 13 National-League-Partien in Blaugelb absolviert. Das Vertrauen der Trainer in den jungen Abwehrspieler offenbart sich in bislang durchschnittlich 8:36 Minuten Eiszeit mit steigender Tendenz in den letzten Partien.
Nach seiner Rückkehr vom HC Thurgau habe er sich gesagt, „du spielst dort, wo es der HCD will, dann kommt es gut“, bemerkt Minder. So viele Einsätze in der National League in so kurzer Zeit habe er nicht erwartet, meint er weiter, „aber alle meine Teamgefährten machten mir den Einstieg ins National-League-Eishockey recht einfach. Wenn es einmal nicht so lief wie vorgestellt, kamen die älteren Spieler, insbesondere die Verteidiger, zu mir, nahmen mich in die Arme und sagten: ‚Kopf hoch, das kann passieren.‘“
„Der HCD war bereits als Kind mein Lieblingsklub“
Minder wechselte 2016 als knapp 14-Jähriger vom U15-Team der Pikes Oberthurgau zum Nachwuchs der GCK/ZSC Lions. Seinen Wohnsitz behielt er bei seinen Eltern in Weinfelden. Im Sommer 2020 machte er den Schritt in die Selbständigkeit und gleichzeitig zum HCD. „Ich wollte schon immer nach Davos. Der HCD war bereits als Kind mein Lieblingsklub“, sagt der Thurgauer. Im Frühling wird er im Davoser Sportgymnasium die Handelsmittelschule abschliessen und anschliessend voll auf die Karte Eishockey setzen. „Es ist ein geiles, schönes Gefühl“, meint er zu seinen ersten Eindrücken in der National League, „aber ich kann noch viel lernen und muss mich in jeder Beziehung noch deutlich steigern.“
Mit Finnlands Meister mitgehalten
Ein spezielles Erlebnis bildete nicht nur für Minder am Dienstagabend das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Tappara Tampere. Finnlands Meister offenbarte in Davos, weshalb das Land aktuell sowohl den Olympiasieger als auch den Weltmeister stellt. Tappara Tampere war auf dem ganzen Spielfeld sehr gut organisiert. Sämtliche Spieler fielen mit viel Tempo, hoher Intensität, schnellen Angriffen, präzisen Pässen und guter Puckkontrolle auf. Nach anfänglichen Problemen stellte sich der HCD immer besser auf die Finnen ein. Schliesslich verlor Davos nur wegen eines ärgerlichen Gegentreffers während einer eigenen Überzahlphase mit 0:1. „Wir mussten uns zunächst etwas an das internationale Niveau gewöhnen; da läuft alles schneller ab als in der National League“, bemerkte Minder nach dem Match. „Von Tappara Tampere hat man viel Gutes gesehen. Wir konnten aber mithalten. Und im dritten Drittel hatten wir gar mehr Spielanteile und Torchancen als die Finnen. Der Match hätte auch unentschieden oder zu unseren Gunsten ausgehen können.“ Mit der knappen Niederlage wahrte sich der HCD die Chance für den Vorstoss in die Viertelfinals der Champions League. Dazu ist am kommenden Dienstag in Tampere ein Sieg mit zwei Toren Differenz nötig.
Zuvor stehen für den HCD allerdings noch zwei schwierige Auswärtsspiele in der Schweizer Meisterschaft auf dem Programm. Am Freitagabend treten die Davoser in Freiburg gegen Fribourg-Gottéron an. 24 Stunden gastieren sie in Zürich erstmals in der Swiss Life Arena, dem neuen Zuhause der ZSC Lions. Zwischen den beiden Partien wird die Mannschaft nicht nach Davos zurückkehren, sondern in Zürich übernachten.
Quelle: Hansruedi Camenisch / Davoser Zeitung Foto: Maurice Parrée