Wenn der Clubarzt mehr im Einsatz steht als Nygren

8.11.2022, 11:00

Dem HCD-Rumpfteam kommt die Nati-Pause sehr gelegen. Beim 1:3 gegen die SCL Tigers offenbarten sich am Freitag die Strapazen der letzten Wochen. Gegen Ajoie gewann es am Samstagabend mit einer grossen Fleissleistung dennoch 5:3. Diese Woche ruht den Meisterschaftsbetrieb. Danach dürften die meisten der Verletzten ihr Comeback geben.

Seit Wochen schlägt die Verletzungshexe beim HC Davos gnadenlos zu. In einzelnen Meisterschaftsspielen fehlten gleichzeitig bis zu sieben Stammspieler. Die Lücken füllten regelmässig junge Spieler. Sie traten mit totalem Engagement auf und konnten wertvolle Erfahrungen sammeln. Das Davoser Mannschaftsspiel litt verständlicherweise dennoch unter den vielen Absenzen. Und der Coachingstaff musste seine verbliebenen Schlüsselspieler über Gebühr forcieren, vor allem bei engen Spielständen sowie im Powerplay und im Penaltykilling.

Mit nur vier Ausländern
Nach zehn Meisterschaftsrunden führte der HCD die National-League-Statistiken sowohl in Über- als auch in Unterzahlphasen an. Auch jetzt sind die Davoser in diesen beiden Bereichen noch weit vorne anzutreffen, obwohl Dennis Rasmussen die letzten elf und Leon Bristedt die letzten acht Partien verpasste. Rasmussen hatte zuvor allein im Powerplay fünf Treffer erzielt, Bristedt ist der wohl schlitzohrigste Torschütze im Team. Trotz der längerfristigen Ausfälle der beiden Schweden verzichtete die HCD-Führung – im Gegensatz zu diversen anderen National-League-Klubs – zu Recht darauf, eiligst Ersatz aus dem Ausland zu engagieren. Dieser Entscheid kostete vermutlich Punkte, zeugte aber vom Vertrauen ins noch verfügbare Spielerkader.

Personalnotstand in der Abwehr
Primär litt in letzter Zeit der HCD-Angriff unter den vielen Verletzten. Fürs Spiel in Ajoie herrschte jedoch in der Abwehr geradezu Notstand. Trainer Christian Wohlwend standen gerade noch vier gelernte, erfahrene Verteidiger zur Verfügung: Die beiden Schweden Klas Dahlbeck und Magnus Nygren, den nach drei Jahren wieder genesenen Claude Paschoud und den erst 22-jährigen Davyd Barandun. In der Abwehr fehlte Michael Fora nach einem glänzenden Saisoneinstand bereits zum elften Mal. Weiter musste Sven Jung pausieren. Er war vor Wochenfrist in Kloten nach einem Schuss vom Puck im Gesicht getroffen und musste operiert werden. Und am Freitag schied Dominic Egli im Heimspiel gegen die SCL Tigers mit einer Schulterverletzung aus. Die prominenten Lücken füllten beim HCD gegen Ajoie Tim Minder (20), Valentino Varano (18) und Denys Rubanik (21). Rubanik erhielt in seinem ersten National-League-Spiel überhaupt 11:41 Minuten Eiszeit. Varano hatte sein NL-Debüt erst am letzten Dienstag bei der 3:4-Niederlage nach Verlängerung in Zug gegeben.

Mit eisernem Willen zum Sieg gegen Ajoie
Nach der matten Vorstellung bei der 1:3-Niederlage gegen die SCL Tigers war das arg dezimierte HCD-Team mit wenig Kredit in den Jura zum HC Ajoie gereist. Denn gegen Langnau hatten die Davoser nach einem guten Beginn stark abgebaut. Sie wirkten sowohl körperlich wie geistig ausgelaugt, begingen viele Fehler, kamen häufig einen Schritt zu spät und zeigten keine Durchsetzungskraft. Gegen Ajoie rafften sich die Bündner mit einer grossen Fleiss- und Willensleistung auf. Topskorer Matej Stransky und der 20-jährige Gian-Marco Hammerer mit seinem ersten NL-Treffer überhaupt brachten die Bündner früh mit 2:0 in Führung. Bis zur 23. Minute gerieten die Davoser jedoch mit 2:3 in Rückstand. Symbolisch für den kampfstarken Auftritt war dann das 3:3. Joakim Nordström tankte sich unwiderstehlich durch die gegnerischen Reihen und trickste zuletzt auch noch Ajoie-Goalie Tim Wolf aus. Magnus Nygren brachte den HCD 71 Sekunden vor der zweiten Pause wieder in Führung, und Marc Wieser besiegelte dann das 5:3-Schlussresultat. Einen starken Rückhalt bildete Torhüter Gilles Senn. Er kehrte nach einer Verletzungspause erst kürzlich wieder ins Team zurück.

Nach der Nati-Pause fast komplett?
In dieser Woche ruht der Meisterschaftsbetrieb. Die Pause bringt beim HCD willkommene, ja herbeigesehnte Zeit für Regeneration und Wundenpflege – aber nicht für alle. Sandro Aeschlimann und Andres Ambühl bestreiten mit der Schweiz in Turku den Karjala Cup gegen Gastgeber Finnland, Schweden und Tschechien. Dominik Egli kann wegen seiner Schulterverletzung dem Aufgebot nicht Folge leisten, ebenso musste Enzo Corvi kurzfristig Forfait geben. Auch auf dem Eis steht in Finnland Matej Stransky mit Tschechien. Beim HCD hofft man, dass bis zum nächsten Match – am 15. November in der Champions League um 19.45 Uhr zuhause gegen den finnischen Meister Tappara Tampere – mit Ausnahme von Yannick Frehner (Knieoperation) sämtliche zuletzt verletzten Spieler ihr Comeback geben können.

Text: Hansruedi Camenisch / Davoser Zeitung   Foto: Maurice Parrée